Archiv 2014

Vereinsaktivitäten und Veröffentlichungen



Auftakt zur Rekonstruktion historischer Kirchengrundrisse

„Wanderung durch die Jahrhunderte – Entdeckungen auf den Spuren der Ortsgeschichte“, so lautet die Bezeichnung eines Projektes, mit dem der Rodheimer Geschichts- und Heimatverein (RGHV) die Grundrisse früherer Kirchenschiffe im Bereich des Rodheimer Kirchturms teilweise wieder sichtbar und nachvollziehbar machen will. Über dieses Vorhaben ist seit 2012 mehrfach berichtet worden. Nachdem der RGHV für dieses Projekt Ende 2013 eine Spende durch die Mainova erhalten hatte (siehe unten), konnte jetzt mit der Umsetzung begonnen werden. Als erster Schritt wurde am vergangenen Samstag (2. August) mit der Freilegung der erstaunlich gut erhaltenen Fundamentmauern des 1956 abgerissenen Kirchengebäudes der sog. Großen Kirche begonnen.

Diese Mauerreste sollen anschließend in Abstimmung mit dem Denkmalschutz konservierend behandelt und in anschaulicher Form dauerhaft präsentiert werden. Das Mahnmal am Kirchturm zur Erinnerung an die Toten des 1. Weltkrieges wird davon nicht beeinträchtigt. Neben der Freilegung der Fundamentmauern sollen auch die Mauerverläufe der letzten Vorgängerkirche aus dem Späten Mittelalter in zwei Abschnitten im Bereich des Kita-Zuganges rekonstruiert werden.

Der RGHV möchte damit einen Beitrag zur besseren Wahrnehmung der Vorgeschichte auf dem Gelände um den heute nur noch als Solitär erhaltenen Kirchturm leisten. Die früheren Kirchenbauten haben das Ortsbild im Zentrum Rodheims über viele Jahrhunderte geprägt. Nicht zuletzt wegen des täglich von hunderten von Kita-Kindern, Eltern und Großeltern frequentierten Kita-Zuganges besteht hier eine hervorragende Gelegenheit um über Rodheimer Geschichte zu „stolpern“.

Text und Foto: Karsten Brunk


Auf den Spuren der mittelalterlichen Rodheimer Landesherren

Nachbetrachtung zur RGHV-Exkursion nach Königstein und zur Burgruine Falkenstein im Taunus  

Aufbauend auf dem Vortag von Dr. Bertold Picard über die historischen falkensteinisch-eppsteinisch-königsteinischen Beziehungen zu Rodheim vor der Höhe im März dieses Jahres im Forum Faselstall, konnten sich am 12. Juli  zahlreiche Teilnehmer einer Exkursion des Rodheimer Geschichts- und Heimatvereins (RGHV) vor Ort ein Bild von den noch sichtbaren Relikten dieser über 300-jährigen Herrschaftszeit machen. Ziel waren die Burg und die Stadt Königstein sowie die Höhenburg Falkenstein im Taunus.

Als hervorragender Kenner der Königsteiner Geschichte und Archäologie konnte Rudolf Krönke, langjähriger Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde e.V. in Königstein  gewonnen werden. Er führte die Exkursionsteilnehmer zunächst auf die Königsteiner Burg. Vorbei am Luxemburger Schloss, heute Sitz des Amtsgerichts, ging es durch die bauhistorisch jüngeren Bereiche der ausgedehnten Festungsanlage aus dem 17. bis 15. Jahrhundert. Durch das Stolberger, das Eppsteiner und das Falkensteiner Tor erreichte die Gruppe allmählich die ältesten Bereiche der Kernburg, die, wie eine von Krönke initiierte C14-Analyse aus der Putz-Magerung des Fischgratmauerwerks belegt hat, bereits aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt. Aus Grabungen ist bekannt, dass Mauerreste unter dem heutigen Niveau des inneren Burghofs ins 11. bzw. 10. Jahrhundert datieren. Krönke ließ den Aufstieg dorthin durch seine Fülle historischer Informationen, gewürzt mit allerlei Anekdoten, zum Vergnügen werden, zumal auch das Wetter nach den Tagen sintflutartiger Regenfälle ein Einsehen hatte.

Nach einem vortrefflichen Mittagessen ging es zunächst in die dörflich anmutende Altstadt von Königstein durch den steinernen im Jahr 1255 errichteten Torbogen des Alten Rathauses, einst Burgtor zur ehemaligen Vorburg, die heute mit zahlreichen lauschigen Gässchen aufwartet. Der Weg führte zurück zum Alten Rathaus, dessen Fachwerkaufbau 1673 fertig gestellt war und seit 1968 das Heimatmuseum beherbergt. Darin wird die Siedlungsgeschichte der Region dokumentiert und neben Hausrat und Handwerk erzählen auch kleine Kuriositäten des heilklimatischen Kurorts Königstein von den Vorlieben vergangener Zeiten.

Zentrales Objekt des Museums aber ist das 1909 fertig gestellte Modell der Königsteiner Burg im Maßstab 1:100, das den Bauzustand um 1790 zeigt, und anhand dessen die Teilnehmer ihren Weg durch die Festung noch einmal nachvollziehen konnten. Den Weg bis zum inneren Burghof, in dem die Zisterne noch heute sichtbar ist, in der 1796 im Rahmen der Koalitionskriege die Sprengladung der französischen Besatzer deponiert wurde, die, vorzeitig  explodiert, sowohl dem Pallas der Burg wie auch dem Sprengkommando zum Verhängnis wurde. Die Burg war danach dem Verfall preisgegeben, Steine der Burg finden sich in zahlreichen Häusern von Königstein vermauert.

Nach einer kurzen Busfahrt war am späten Nachmittag das 2. Exkursions-Ziel erreicht, die Burgruine Falkenstein, eine ehemalige (Raub-)Ritterburg auf dem knapp 500 Meter hohen Noringsberg mit seiner ausgezeichneten Aussicht über die Rhein-Main-Ebene. Besonders beeindruckend sind hier die herrlichen Rundblicke vom Turm der Burg, der unter Ritter Frank von Cronberg um 1450 neu errichtet worden war.  

In Falkenstein erwartete uns Hermann Groß, der seit Jahrzehnten die Regionalgeschichte Falkensteins und des Hochtaunuskreises erforscht und seit 2011 Träger des Saalburgpreises für Geschichts- und Heimatpflege des Hochtaunuskreises ist. Kenntnisreich erläuterte er die komplizierten Zusammenhänge der Nürings, der Münzenberger, der Falkensteiner und Königsteiner Herren mit der Rodheimer Geschichte. Die von den Falkensteinern neben der „Noringsburg“ gebaute Burg „Neu-Falkenstein“ bewohnten diese jedoch nicht selbst, vielmehr wurde sie als Lehen vergeben.

Insbesondere im Verlaufe des so genannten „Reichskrieges“ im Jahr 1364 kam es zur teilweisen Zerstörung der Burg. Auslöser dafür waren die Auseinandersetzungen zwischen Ulrich III. von Hanau und Philipp VI. von Falkenstein um die Vorherrschaft in Rodheim und weiteren Städten und Herrschaften in der Wetterau und im Vordertaunus. Mit dem Übergang der Burg an die Herren von Nassau (Lahn) am Ende des 14. Jahrhunderts bildete diese und das Dorf bis 1806 eine nassauische Enklave innerhalb der Herrschaft Königstein und später innerhalb des Kurmainzer Territoriums. Als die Enklave unter nassauischer Herrschaft an Ritter-Besitzgemeinschaften vergeben war gehörten zeitweilig auch Raubritter zu dieser Gemeinschaft. Zu den schlimmsten Burgmannen dieser Art zählten die Familien von Hattstein und von Reifenberg. Im Jahr 1679 starb der letzte Falkensteiner Ritter auf der Burg.

Text und Fotos: Ute Veit und Karsten Brunk


Geselliges Angebot zur Integration - Internationales Freundschaftsfest am 14. Juni 

Es war ein kleines Jubiläum, das die Veranstalter des Freundschaftsfestes am Wochenende im Rathaushof vor dem Faselstall in Rodheim feiern durften. Zum 20. Mal jährte sich nämlich die Initiative, die einst vom örtlichen Geschichtsverein (RGHV) als Reaktion auf den Solinger Brandanschlag auf eine türkische Familie ins Leben gerufen worden war - und wie in den vielen Jahren zuvor, so zeigten die Ausrichter auch diesmal wieder internationale Flagge. Denn einige der über 50 in Rosbach lebenden Nationalitäten waren mit Aktivitäten vertreten, sei es mit kulinarischen, musikalischen oder tänzerischen Beiträgen. „Voraussetzung für die Organisation und Durchführung der äußerst gelungenen Festivität ist jedoch die stets hervorragende Zusammenarbeit des RGHV-Vorstandsteams, die Hilfe zahlreicher Vereinsmitglieder, die vereinsübergreifende Unterstützung durch befreundete Vereine, insbesondere des Gesangvereins Eintracht, und durch die Stadt Rosbach“, lobte RGHV-Vorstand Karsten Brunk.  

Schon zur Kaffeezeit füllten sich die Bänke vor der Bühne mit Zuschauern, die dem Eintracht-Kinderchor "Goldkehlchen", den Kita-Kindern "Regenbogen-Piepmätze" oder den Nachwuchsbläsern des Musikvereins Harmonie, der "Harmonies New Generation" unter der Leitung von Eva Morgenstern ihren berechtigten Applaus gönnten. Auch das international besetzte Rosbacher Bauchtanzensemble "Yallah" war mit von der Partie. Bürgermeister Thomas Alber hatte mit Blütenkönigin Larissa I. eine charmante Repräsentantin der Stadt an seiner Seite, um den Organisatoren und ihren vielen Helfern - und natürlich auch dem zahlreich erschienenen Publikum - ein gutes Gelingen für das multikulturelle Treiben zu wünschen. Die Grußworte der beiden sollten allgemein Gehör finden, denn es verging kaum eine Minute, wo nicht zum Beispiel Türken mit Iranern, Finnen mit Afghanen oder Franzosen mit Deutschen in lebhafte Gespräche verwickelt waren. Bester Standort, um miteinander zu kommunizieren, waren die Essen- und Getränkestände, an denen internationale Speisen, Bowlen und Tees reißenden Absatz fanden. Nach der bald ausverkauften Kuchentheke gab es im Faselstall Rebensaft in verschiedenen Ausbaustufen, um deren Ausschank sich Axel und Karola Pfadenhauer sowie Steffi Mehring kümmerten.  

Als gegen Abend das Latin-Trio "Desafinado" in die Gitarrensaiten griff, um lateinamerikanisches Feeling mit traditionellen Folkloren aus zahlreichen Ländern zu verknüpfen, hatte die gute Stimmung im Publikum bereits viele Höhepunkte überschritten und suchte nach immer neuen Anreizen, die auch ohne Zögern bedient wurden. Am Stand der deutsch-finnischen Gesellschaft, die unter anderem mit Rainer Schmidt und Frau Herget aus Rosbach erstmals beim Freundschaftsfest mit dabei war, waren die begehrten "Flamm-Lachse" - eine auf offenem Feuer gebraten Fisch-Spezialität - längst verzehrt, und der "Berije Birioni", ein gebratener Reis nach afghanischem Rezept, mussten in Eile von Floran wieder aufgefüllt werden. Carines französische Quiche hatte wenig Mühe, mit ihrem verführerischen Duft Leckermäuler anzulocken, und auch die türkischen oder iranischen Spezialitäten von Frau Baks Team bzw. Fari fanden ihre Liebhaber. Mit tanzendem Publikum zu den Rhythmen des Musiktrios und guter Laune kam das Fest zu einem krönenden Abschluss, der Ausrichter wie Besucher in vollster Zufriedenheit (und erst zu recht später Stunde) den Heimweg antreten ließ.

Der Erlös des Festes wird wie immer einem gemeinnützigen/karitativen Zweck zugeführt - die Mittel des Jahres 2013 wurden den Wirbelsturmopfern auf den Philippinen und zur Unterstützung der in den letzten Monaten von der Stadt Rosbach aufgenommenen Flüchtlinge (siehe unten) zur Verfügung gestellt.

 Text: E. Halaczinsky und K. Brunk

Bildimpressionen zum 20. Internationalen Freundschaftsfest am 14. Juni

Bilder: Karsten Brunk und Edelgard Halaczinsky


 

 Spendenübergabe Erlös des Internationalen Freundschaftsfestes 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

WZ vom 31.3.2014


 

Die Herren von Eppstein und Eppstein-Königstein,
ehemalige Landesherren von Rodheim



Nachbetrachtung zum Vortrag von Dr. Bertold Picard

 

Drei rote Sparren auf weißem Grund – wie ein roter Faden zog sich das Wappen der Eppsteiner Herren, dessen Elemente an einen Teil des Rodheimer Wappens erinnern, durch den Vortrag von Dr. Bertold Picard, am 21. März im voll besetzten Forum Faselstall.

Dr. Picard, früher Eppsteiner Archivar und Museumsleiter und hervorragender Kenner nicht nur der Eppsteiner Geschichte, gelang es, in die komplizierten Familien- und Herrschaftsverhältnisse der Herren von Eppstein samt Seitenlinien die Beziehungen zu Rodheim und eine Fülle von historischen Informationen spannend einzuflechten. 

Ursprünglich aus Hainhausen im heutigen Kreis Offenbach stammend, nannte sich die Adelsfamilie nach ihrer Umsiedlung zwischen 1186 und 1189 nach dem neuen Wohnort Eppstein. Geschickte Heiraten und zahlreiche Lehen erweiterten die Territorial- und Machtbefugnisse, zu denen Privilegien wie Gerichtsbarkeit, Stadt-, Münz- und Zollrechte hinzukamen. Fast im gesamten 13. Jahrhundert waren die Mainzer Erzbischöfe aus dem Eppsteiner Haus. Die zweitgeborenen Söhne einer Generation hatten die geistliche Laufbahn einzuschlagen, während der Erstgeborene üblicherweise das Erbe des Vaters antrat.

 

Im 15. Jahrhundert erreichte der Flickenteppich der Eppsteiner Territorien seine größte Ausdehnung und umfasste neben den Stammlanden (jeweils Burg, Stadt und Herrschaft von Eppstein, Steinheim und Homburg) Gebiete von Wied am Rhein bis zum Odenwald, vom Spessart bis zum Vogelsberg und in der Wetterau.

Durch die falkensteinisch-münzenbergische Erbschaft wurden die Herren von Eppstein ab 1419 Mitbesitzer von Rodheim, ihnen folgte ab 1433 die jüngere Linie Eppstein-Königstein. Die Herrschaft Eppstein-Königstein, seit 1505 Grafschaft, wurde nach dem Ableben von Eberhard IV. im Jahr 1535 zur Grafschaft Stolberg-Königstein unter Ludwig zu Stolberg. Unter seiner Herrschaft wurde 1540 die Reformation in Rodheim eingeführt. Dessen Nachfolger verkauften 1578 ihren Anteil an die Grafen von Hanau, die fortan die einzigen Herren Rodheims waren.

Unter die eppsteinische Herrschaft fällt im späten 15. Jahrhundert auch der Bau der alten Kirche St. Veit (St. Vitus) in Rodheim, von der der noch heute erhaltene Kirchturm zeugt. Und hier schließt sich der Kreis zu den aktuellen Aktivitäten des RGHV, die Arbeit an der Sichtbarmachung der Grundrisse der letzten beiden Kirchenschiffe, also auch der sogenannten Alten Kirche, auf dem Gelände um den Kirchturm.

 

In Ergänzung des Vortrags findet am 12. Juli 2014 eine Exkursion des RGHV nach Königstein und Falkenstein statt, um die Kenntnisse vor Ort zu erweitern. Die Veranstaltung wird von Rudolf Krönke vom Heimatkundeverein Königstein/Ts. begleitet.

Vielleicht ergibt es sich, dass eine Exkursion uns im nächsten Jahr nach Eppstein führt. Die sehr interessanten Ausführungen von Dr. Picard, der uns die Bedeutung der Eppsteiner Herren als Hochadelsgeschlecht und ihre Einflüsse auf die Entwicklung unserer Region verdeutlicht hat, sprechen unbedingt dafür!

Text und Foto: Ute Veit